Marketing für die Superknolle: 5 Fragen an Meura Luxmykanthan

Meura Luxmykanthan, Marketingabteilung der Böhmer Gruppe in Mönchengladbach
14. Oktober 2020

Meura Luxmykanthan arbeitet seit sechs Jahren in der Marketingabteilung der BÖHMER Gruppe in Mönchengladbach. Die Hans Willi BÖHMER Verpackung und Vertrieb GmbH und Co. KG vermarktet Kartoffeln und Zwiebeln in ganz Deutschland. Warum das Marketing von Kartoffeln spannend ist, welche Kompetenzen man als Anwärter einer solchen Stelle mitbringen muss und wie sich die Corona-Krise die Einstellung der Verbraucher zu Lebensmitteln verändert hat, erzählt euch Meura im Interview.

Liebe Meura, vor sechs Jahren hast du bei der BÖHMER Gruppe eine Stelle im Marketing angetreten. Was hat Dich an der Vermarktung der Kartoffel gereizt? Welche Fertigkeiten/Kompetenzen aus den vorherigen beruflichen Stationen waren bei Deinem Einstieg besonders wichtig?

Ich finde Kartoffeln spannend! Genauso vielseitig wie die kulinarischen Möglichkeiten der Knolle ist auch die Kartoffelbranche. Bei meinem Einstieg bei der BÖHMER Gruppe haben mir meine vorherigen beruflichen Stationen in der Lebensmittelbranche besonders geholfen. Beispielsweise habe ich Praktika bei Unternehmen im Food-Bereich absolviert. Dort habe ich erste Einblicke in unterschiedlichen Marketingabteilungen und die Besonderheiten des Food-Marketings erhalten, die ich im neuen Job sehr gut einbringen konnte.

Während meiner Praktika durfte ich bei Produkt-Shootings mit professionellen Food-Stylisten und Fotografen mit dabei sein. Echt spannend! Im Marketing bei funny-frisch habe ich sogar einen TV-Spot mit vorbereitet. Man glaubt gar nicht was für ein Aufwand betrieben wird für einen Spot von 30 Sekunden! 

Ebenso habe ich die Entwicklungen von Verpackungslayouts und Verkaufsförderungstools unterstützt. Das gefiel mir damals schon besonders gut. Heute gehören Verpackungen zu meinem Alltag. Ich liebe es, Verpackungen zu gestalten und diese anschließend im Markt zu entdecken. Aber auch ganz klassische Marketing-Aufgaben wie Produkt-, Markt- und Wettbewerbsanalysen gehörten zum Alltag einer Marketing-Praktikantin im Food Bereich.

Um eine Brücke zu meiner jetzigen Tätigkeit zu schlagen: Man dreht in der Kartoffel-Welt vielleicht nicht jedes Jahr einen TV-Spot, aber viele der Aufgaben von damals gehören heute tatsächlich zu meinem Alltag.

Wie hat sich Dein Tätigkeitsbereich und euer Marketing über die Jahre entwickelt? Inwiefern hat die Corona-Krise eure Arbeit verändert?

Bisher hat kein Jahr in meinem Job dem anderen geähnelt. Ich habe immer wieder etwas Neues dazu gelernt! Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Bedürfnisse und Trends der Verbraucher einem stetigen Wandel unterworfen sind. Bio-Produkte, Kartoffeln aus regionalem Anbau, der Low-Carb-Trend und die zunehmende Anzahl der Menschen in Deutschland, die vegane Ernährung für sich entdecken, verändern den Markt und unsere Art zu kommunizieren.

Und weil der Food-Markt so vielen Veränderungen unterworfen ist, gibt es kein typisches Marketingjahr. Als ich 2014 bei der BÖHMER Gruppe angefangen habe, gab es Instagram gerade mal vier Jahre. Und Influencer-Marketing, wie wir es heute kennen, steckte noch in den Kinderschuhen. Und jetzt ist es derzeit aus einem modernen Marketing-Mix nicht mehr wegzudenken!

Auch die Idee des Content-Marketing hat sich in dieser Zeit fest im Food-Bereich und im Marketing allgemein etabliert: Werbung soll sich nicht mehr wie Werbung anfühlen, sondern als Mehrwert und willkommene Information wahrgenommen werden. Somit haben sich nicht nur unsere Themen verändert, sondern auch die Tonalität.

Die gestiegene Bedeutung von Content-Marketing kommt vor allen Dingen davon, dass immer mehr Konsumenten sich bewusster ernähren und darauf achten, was in ihren Lebensmitteln steckt. Viele wünschen sich Produkte mit einem funktionellen Mehrwert. Andere suchen ein komplett neues Geschmackserlebnis oder sie wollen Produkte mit rein natürlichen Zutaten. Im Trend liegen Mehrwerte für Körper und Gesundheit. In diesem Zusammenhang sind einzelne Zutaten und Lebensmittelgruppen in den Fokus gerückt: Nüsse, Gemüse und Saaten.

Teil unserer Arbeit als gute Marketingabteilung ist es, solche Trends zu erkennen, um dann auf die sich stetig ändernden Bedürfnisse der Endverbraucher mit der Entwicklung neuer Vermarktungskonzepte zu reagieren.

Gefühlt sind auch die Themen, in denen eine Marketingabteilung in der Lebensmittelbranche Kompetenzen vorweisen müssen, über die Jahre umfangreicher geworden. Zumindest setze ich mich immer mehr mit digitalen Themen auseinander als das noch früher der Fall war. Beispielsweise beschäftige ich mich nun auch mit Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO), Suchmaschinenwerbung (Search Engine Advertising, SEA) und mit der Analyse unseres eigenen Webauftritts. Und auch wir spüren, dass die sozialen Netzwerke boomen und so haben wir in den vergangenen Jahren immer häufiger mit Bloggern zu tun gehabt. Im digitalen Raum wird viel über die Kartoffel kommuniziert und tolle Gerichte zubereitet!

Ich sehe mich also Jahr für Jahr mit jeweils neuen, spannenden Herausforderungen konfrontiert. Ja, klar, ich arbeite jeden Tag daran, die eine Kartoffel zu vermarkten, aber durch den Wandel der Zeit entwickeln wir immer wieder neue Strategien und erzählen neue Geschichten und auch die eine Kartoffel ist längst nicht mehr dieselbe, die sie 2014 war. Für mich bleibt das Tagesgeschäft also auch nach sechs Jahren in der gleichen Firma interessant!

Wer sind eure Zielgruppen? Gibt es Veranstaltungen, die in diesem Zusammenhang aus deiner Sicht besonders wichtig sind und wenn ja, warum?

Unsere direkte Zielgruppe sind die Einzelhandelsketten. Gemeinsam mit unseren Kunden organisieren wir Events wie „Ein Tag auf dem Lande“. Das ist ein informatives, praxisbezogenes und unterhaltsames Format, mit dem wir den Fachkräften und Marktmanagern aus den Märkten unsere Aktivitäten und unsere Produkte näher bringen. Diese Landtage vermitteln ein Bewusstsein für die Nahrungskette und schärfen somit das Wissen unter den Verkäufern, die dann auch die Kunden vor Ort besser beraten können.

Für den B2B-Bereich kann ich berichten, dass unsere Kunden aus dem Lebensmitteleinzelhandel immer häufiger den Wunsch nach Produkt-Schulungen äußern. Sie möchten mehr über Themen wie Anbau, Ernte, Lagerung oder die Verpackung erfahren. Sie wünschen sich auch verstärkt Hof-Rundgänge bei den Landwirten.

Vortrag mit Food Marketing Expertin Meura Luxmykanthan Böhmer Gruppe 2020

Meura Luxmykanthan im Jahr 2018 bei "Ein Tag auf dem Lande" in Rheinbach. Quelle: BÖHMER Gruppe.

 

Der Grund: Kartoffeln sind ein regionales Produkt mit einem hohen Identifikationswert. Das trifft gleichermaßen für den Landwirt wie auch den Endverbraucher zu. An dieser Stelle schlagen wir als Marketingabteilung eine kommunikative Brücke zwischen den beiden Seiten.

Und wie sollte es anders sein: Auch die Pandemie hat die Einstellung der Verbraucher und somit den Markt erneut verändert! Das Bewusstsein für den tatsächlichen Wert der Nahrungskette ist enorm gewachsen. Ich hoffe sehr, dass wir als Gesamtgesellschaft auch im Anschluss an die Krise weiterhin sorgfältiger und bewusster mit Lebensmitteln umgehen werden.

Wenn es um die Kartoffel geht: Welche Verkaufsargumente zählen deiner Meinung nach?

Die Kartoffel gehört mit zu den wichtigsten und beliebtesten Grundnahrungsmitteln – nicht nur in Deutschland. Mit Kartoffeln kann man sich richtig schön satt essen, denn sie enthalten hauptsächlich Kohlenhydrate, die Energie liefern. Viele Menschen unterliegen leider noch immer dem Irrlauben, dass die Kartoffel deshalb dick macht. Doch die Knolle enthält kaum Fett. Zum Beispiel: 100 g gekochte Kartoffeln haben etwa 70 Kalorien. Zum Vergleich: 100 g Reis enthalten etwa 120 Kalorien.

Kartoffeln Verpackungen Interview Food Marketing Expertin Meura Luxmykanthan Böhmer Gruppe 2020

Saisonales Sortiment: BÖHMER Spargelkartoffeln und BÖHMER Raclette Kartoffeln. Quelle: Meura Luxmykanthan, BÖMER Gruppe. 

 

Das Argument, dass momentan am meisten zieht ist wahrscheinlich, das die Kartoffel ein echtes Superfood ist. Neben ihrem hohen Gehalt an Vitamin C, Magnesium und Eisen hat sie verschiedene B-Vitamine und ist reich an Fluorid und Phosphor. Sie kann also mit Nüssen, Saaten und Gemüse locker mithalten!

Damit diese Argumente auch ankommen, legen wir sehr viel Wert auf den direkten Kontakt mit unseren Kunden. Wir bieten und nehmen an zahlreichen Events und Verkostungen im Markt teil, damit wir vor Ort unsere Superknolle repräsentieren können. Wir legen aber auch Wert auf Content Marketing und erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden „regionale Kampagnen“, die wir mit unserem Kartoffel-Know-How als Experten begleiten.

Was würdest du Anderen raten, die kurz vor Abschluss ihres BWL-Studiums stehen und über eine Karriere in der Kartoffelindustrie nachdenken?

Im Marketing-Studium lernt man zwar eine ganze Menge an Marketing-Theorien und Modelle. Doch die Kernaufgabe des Marketings ist es, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und diese zu befriedigen. Das ist gar nicht so einfach, denn an einem Tag verlassen sich die Kunden auf ihr Bauchgefühl und ihre Erfahrung, an einem anderen hören sie auf Fakten, dann wiederum wollen sie das haben, was die Mehrheit möchte.

Interview Marketing Expertin Meura Luxmykanthan Böhmer Gruppe 2020

Meura Luxmykanthan 2016 beim Feldtag in Bayern. Quelle: BÖHMER Gruppe.

 

Es ist keine leichte Aufgabe, hierbei zu durchblicken und die wahren Erwartungen des Kunden zu befriedigen. Auf diese Situation kann man sich auch nicht mit der weltbesten Marketing-Theorie vorbereiten. Dafür braucht man einfach die Praxis und einen Berufsalltag – Erfahrung also!

Da die Kartoffel ein Grundnahrungsmittel ist und die Branche ein gutes Marketing vorweisen kann, wird ihre Popularität in nächster Zeit voraussichtlich nicht abflauen. Von dieser Warte aus, kann ich die Kartoffelindustrie nur empfehlen. Die Branche bietet für Absolventen der Betriebswirtschaftslehre – egal ob Bachelor oder Master – vielseitige Arbeitsbereiche und einen sicheren Arbeitsplatz. Insbesondere in der aktuellen Corona-Krise haben sich die Vorteile, in der Lebensmittelindustrie zu arbeiten, besonders bemerkbar gemacht.

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