Ausbildung in der Kartoffelindustrie: Interview mit Sarah Digel

Interview mit Sarah Digel Auszubildende Industriekauffrau Firma Wild in Eppingen
22. Juli 2020

Eine Ausbildung in einem Kartoffelbetrieb ist vielleicht nicht die bekannteste Möglichkeit von allen, seine Lehrjahre zu verbringen. Wir waren neugierig und wollten wissen, welche Ausbildungsberufe in der Kartoffelindustrie angeboten werden. Als Teil unserer Interview-Reihe mit Frauen, die beruflich mit Kartoffeln zu tun haben, haben wir mit Sarah Digel, die 22 Jahre alt ist, gesprochen.

Sarah hat zwischen 2017 und 2020 bei der Firma Wild in Eppingen im Landkreis Heilbronn die Ausbildung zur Industriekauffrau durchlaufen. In den letzten Wochen hat sie, trotz der vielen coronabedingten Veränderungen, ihre schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen abgelegt und wartet nun auf die Ergebnisse.

Wir wollten von Sarah wissen, wie sie auf die Idee kam eine Ausbildung in der Kartoffelbranche zu absolvieren, wie sie die einzelnen Stationen bei der Firma Wild erlebt hat und wie sie ihre berufliche Perspektive nach der Ausbildung einschätzt.

Über den Ausbilder:

Das inhabergeführte Familienunternehmen Wild wurde 1955 gegründet und beschäftigt aktuell 155 Mitarbeiter. Im Jahr 2018 hat das Unternehmen einen Umsatz von 57 Millionen Euro erwirtschaftet. Von Kartoffeln und Zwiebeln im Netz über Garkartoffeln für die Gastronomie bis hin zum Feinkostsalat aus Kartoffeln, Gurken oder Weißkraut aus der Kühltheke im Supermarkt – die Produktpalette des schwäbischen Unternehmens ist vielfältig und abwechslungsreich.

Ausbildung Kartoffelindustrie Wild Eppingen Sarah Digel

Das Hauptgebäude der Firma Wild in Eppingen.

 

Hallo Sarah, erzähl uns etwas über dich, die Firma Wild und warum du dich für eine Ausbildung in der Kartoffelindustrie entschieden hast. Gab es etwas, das dich an der Ausbildung zur Industriekauffrau besonders angesprochen hat?

Nach dem Fachabitur war ich auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle im Landkreis Heilbronn und eine Freundin hat mir die Firma Wild empfohlen. Sie hat mir die Ausbildung in dem familiengeführten Unternehmen ans Herz gelegt, weil sie in der Region einen guten Ruf hat. Deswegen hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.

Ich habe also eine schriftliche Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen eingereicht und wurde auch bald zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Beim persönlichen Gespräch hat sich mein gutes Bauchgefühl über einen positiven ersten Eindruck bestätigt. Ich habe verstanden, dass bei Wild eine qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche kaufmännische Ausbildung angeboten wird. Natürlich habe ich mich dann sehr gefreut, als ich die Zusage für die Stelle erhielt und als ich wenige Monate später meinen ersten Arbeitstag angetreten habe!

Heute, drei Jahre später, bin ich mit der Ausbildung zur Industriekauffrau fast fertig. Ich warte momentan nur noch auf meine Noten und bin schon ganz gespannt auf die Ergebnisse der einzelnen Prüfungen!

Und ja, die letzten Monate waren durchaus anders, als ich das vor drei Jahren erwartet hätte. Durch die Corona-Pandemie hat sich viel verändert. Beispielsweise, bin ich nicht mehr in die Berufsschule gegangen, sondern habe den Unterrichtsstoff alleine online erarbeitet. Das war nicht immer leicht. Die Berufsschullehrer haben meinen Jahrgang bei den Prüfungsvorbereitungen in dieser Zeit jedoch sehr gut unterstützt. Deswegen fühlte ich mich trotz dieser unerwarteten Situation gut auf die Prüfungen vorbereitet.

Welche Stationen hast du in den vergangenen drei Jahren bei der Firma Wild durchlaufen? Gibt es Highlights?

Es gibt einiges, das ich in drei Jahren Ausbildungszeit bei der Firma Wild erlebt habe! Ich habe in Abteilungen gearbeitet: Pforte, Empfang, Produktentwicklung, Qualitätssicherung, Produktion, Bestellannahme, Buchhaltung, Vertrieb, Marketing, Agra und Einkauf. Meine Ausbilder bei der Firma Wild legten sehr viel Wert darauf, dass ich die Zusammenhänge zwischen den Abteilungen verstehe und alle Arbeitsschritte innerhalb der Abteilung nachvollziehen kann.

In allen Stationen ist mir natürlich auch immer wieder die Kartoffel begegnet: Von der wachsenden Kartoffelpflanze bis hin zur Kartoffelsalatherstellung weiß ich jetzt so ziemlich alles! Den meisten Kontakt zur Kartoffel hatte ich im Rohwaren Einkauf und in der Agrar Abteilung. Dort hat man mir viel über den Anbau und die Pflege der Kartoffelpflanze bis hin zur Ernte beigebracht. Natürlich bin ich auch in all den Jahren öfter Mal aufs Feld gefahren, um die Entwicklung unserer Pflanzen in verschiedenen Stadien live zu sehen und hautnah mitzuerleben!

Interview Sarah Digel Acker Wild Eppingen

Traktor auf einem Acker in Eppingen. Quelle: Wild Kartoffel- und Zwiebelmarkt GmbH. 

 

Zu meinen persönlichen Highlights gehören die Mitarbeit an zwei Projekten:

Für Kids an die Knolle, einem Projekt des Deutschen Kartoffelhandelsverbands (DKHV), versenden Landwirte aus ganz Deutschland jedes Frühjahr Pakete mit Pflanzkartoffeln an teilnehmende Grundschulen im gesamten Bundesgebiet. Die Lehrer und Kinder bauen diese an, pflegen die Kartoffelpflanzen, ernten die Knollen und bereiten sie bei einem Kartoffelfest gegen Ende des Sommers gemeinsam zu. Kids an die Knolle war das erste Projekt, das ich im Rahmen meiner Ausbildung bei der Firma Wild selbständig durchführen durfte. Mir liegt das Projekt auch am Herzen, weil es Kindern, die nicht auf dem Land leben, die Kartoffel und landwirtschaftliche Themen näher bringt. Ein weiterer schöner Aspekt des Projekts ist, dass die Kinder lernen, was man alles leckeres aus der Kartoffel machen kann!

Am letzten Augustwochenende jeden Jahres findet seit 1998 der Eppinger Kartoffelmarkt statt. Dieses Event ist mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen. Die Firma Wild hat auf dem Markt jedes Jahr einen Stand, bei dem Kartoffeln und Zwiebeln für den guten Zweck verkauft werden.

Sarah Digel Kartoffelmarkt Eppingen Wild Kartoffel

Sarah Digel und weitere Ausbzubildende beim Eppinger Kartoffelmarkt. Quelle: Wild Kartoffel- und Zwiebelmarkt GmbH. 

 

Der Stand wird vor allem durch Azubis besetzt. Zu unseren Aufgaben zählt nicht nur der Verkauf; wir beraten die Besucher über die Kartoffel, beispielsweise über die unterschiedlichen Kochtypen. Das macht immer sehr viel Spaß!

Du bist von der Firma Wild übernommen worden und ab August fest in der Buchhaltung angestellt sein. Welche Aufgaben warten dort auf dich? Mit welchen Abteilungen wirst du die meisten Berührungspunkte haben?

Mein Arbeitstag beginnt meist um 07:45 Uhr. Ich arbeite zuerst meine E-Mails durch und starte dann mit dem Tagesgeschäft. Dazu gehört das Prüfen und Kontieren von Rechnungen, Abrechnungen usw. In der Buchhaltung arbeiten wir eng mit der Logistik und dem Rohwareneinkauf zusammen.

Hast du einen persönlichen Bezug zur Kartoffel?

Ja – auch schon vor meiner Ausbildung! Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Meine Familie baut im kleinen Umfang Kartoffeln für den Eigenbedarf an. Seit meiner Kindheit war ich daher immer vom Kartoffel stecken bis zur Ernte mit dabei!

Würdest du trotz der aktuellen Situation um Corona anderen jungen Menschen eine Ausbildung bei einem Kartoffelbetrieb empfehlen? Welche Fertigkeiten sollten sie deiner Meinung nach mitbringen? 

Ich kann die Ausbildung in der Kartoffelbranche nur empfehlen! Kandidaten, die sich für eine Ausbildung in diesem Bereich interessieren, sollten eine gewisse Neugier für die Landwirtschaft und ihre Themen mitbringen. Zumindest kann es nie schaden!

Die Branche bietet sehr viele verschiedene und interessante Arbeitsbereiche, in denen man sich verwirklichen und neue Ideen einbringen kann. Ich habe durchaus den Eindruck, dass es viele Aufstiegsmöglichkeiten gibt – auch für junge Menschen, die gerade ins Berufsleben starten. Das liegt sicher auch daran, dass die Kartoffel ein Grundnahrungsmittel ist. Ich empfinde meine Firma und meinen Arbeitsplatz als krisensicher!

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