Bioplastik aus Kartoffeln – eine nachhaltige Alternative?

Plastik aus Kartoffeln Kunststoff aus erneuerbaren Quellen
09. Juli 2020

Aus Kartoffeln Plastik herstellen – das geht? Wir waren neugierig und haben für euch herausgefunden, was es mit Bioplastik auf sich hat und wie Plastik aus Kartoffeln gemacht wird. Natürlich hat uns auch folgende Frage beschäftigt: Werden Plastikfolie, Kaffeebecher oder sogar Autoteile künftig aus unserer Lieblingsknolle hergestellt?

Knolle vs. Erdöl: Wer ist nachhaltiger?

Wir leben in einer Welt aus Plastik. Sei es der praktische Coffee-to-go-Becher in der City, die schnelle Pommes mit der kleinen Plastikgabel auf die Hand oder die in Folie eingeschweißte Gurke im Supermarkt – am Ende bleibt Plastikmüll, der entsorgt werden möchte. Die Diskussion um Mikroplastik ist schon seit mehreren Jahren entbrannt. Wäre es da nicht schön, es gäbe etwas, dass die Vorteile von Kunststoffen mit einer umweltfreundlichen rückstandslosen Entsorgung vereint?

Bioplastik heißt das Zauberwort, das genau dieses Versprechen einhalten soll. Darunter werden Kunststoffe verstanden, die meist auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden und zudem in wesentlich kürzerer Zeit vollständig biologisch abgebaut sind. Zur Herstellung werden beispielsweise Cellulose, aber vor allem auch Stärke aus der Kartoffel verwendet. Die Basis für herkömmliche Kunststoffe hingegen besteht bisher überwiegend aus Erdöl. Heißt: Konventionell produziertes Plastik braucht einen fossilen Rohstoff, der nicht nur nicht-erneuerbar ist, sondern zudem mehrere Jahrzehnte – zum Teil Jahrhunderte – braucht, bis es abgebaut ist. Hier beginnen die Vorteile von Bioplastik. 

Wie aus einer Kartoffel Plastik entsteht 2020

Woraus besteht Bioplastik? Welche Vorteile hat Plastik aus Kartoffeln?

Kunststoffe aus pflanzlicher Produktion gelten als Bioplastik, wenn diese sich innerhalb von drei Monaten zu 90 Prozent zersetzt haben. Dabei ist Bioplastik genauso beständig wie herkömmliches Plastik aus „chemischer“ Produktion. Plastik aus Kartoffeln kann als klimaneutral bezeichnet werden. Das heißt, dass diese Kunststoffe nach dem Gebrauch auch nur soviel CO2 freisetzen, wie die benutzten Pflanzen während ihrer Wachstumsphase verbraucht haben. Insbesondere Kartoffelstärke hat dabei den Vorteil biologisch schneller abbaubar zu sein.

Bei Bioplastik handelt es sich jedoch heutzutage mit einem Marktanteil von ca. 11,6 Prozent noch um ein reines Nischenprodukt. Die Produktion ist kostspielig und die Qualität kommt auch noch nicht an konventionell produzierte Kunststoffe heran. Demgegenüber spielen Kartoffeln zunehmend eine größere Rolle als Industrierohstoff zur Kunststoffherstellung. Der Prozess der Stärkegewinnung ist allerdings aufwendig.

Wie wird Kunststoff aus Kartoffeln hergestellt?

Hierzulande sind von weltweit ungefähr 5.000 Kartoffelsorten ca. 250 zugelassen. Diese werden in Speise- und Wirtschaftssorten unterschieden. Letztere verfügen über einen höheren Stärkegehalt und werden unter anderem in der Kunststoffproduktion verwendet. Dabei werden die Kartoffeln nach gründlicher Wäsche in speziellen Maschinen kleingerieben und ein sogenannter Stärkesaft gewonnen. Nach dem Entzug von Wasser entsteht Stärkemehl, das wiederum als Grundstoff in Kombination mit anderen Zutaten zu Kunststoffen verarbeitet werden kann. Doch tatsächlich ist es auch möglich, zuhause selbst Plastik aus Kartoffeln herzustellen. Wie das geht könnt ihr bei der Schülerinitiative für Chemische Technik und Biotechnologie nachlesen.

Wie aus einer Kartoffel Plastik entsteht Plastik und Mehl 2020

Die Zukunft von Bioplastik: Eine Prognose

Doch noch ist es ein langer Weg bis Bioplastik aus Kartoffeln zum Standard wird. Der Anteil an biologischen Kunststoffen ist bisher noch verschwindend gering. Prognosen sagen, dass durch weitere technische Innovationen und hohe Erdölpreise starke Zuwächse an Kunststoffen aus pflanzlicher Herstellung zu erwarten sind und künftig bis zu 70 Prozent der Verpackungen in Zukunft aus Bioplastik bestehen könnten. Wir dürfen also noch hoffen, dass die Kartoffel zum Helden wird und einen großen Anteil an der Rettung unseres Planeten übernimmt.

Bis es soweit ist, gibt es schon jetzt sehr viel, das wir tun können, um unseren Plastikkonsum zu reduzieren. Nicht nur der wiederverwendbare Stoffbeutel beim Einkauf und der Thermobecher für unterwegs sind in diesem Zusammenhang gute Ideen! Auch der Einkauf von regionalen, saisonalen Produkten statt Fertiggerichten vermeidet Plastikmüll. Für alle, die sich mit dem Thema Plastik vs. Bioplastik auseinander setzen möchten, empfehlen wir einen Blick auf die Informationen zu biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen des Umweltbundesamtes oder den Podcast von DLF Nova mit dem Titel Gefährlich Praktisch – Unser Leben mit Plastik.

Weitersagen!