Japan und die Chipskrise – leere Regale und Tüten für 15 Euro

Japan und die Chipskrise
22. Juni 2017

Lange Gesichter, unbefriedigte Knabberlust: Chips-Fans in Japan schauen derzeit in die Röhre – aber so richtig. Die Regale der Supermärkte bleiben leer, und wenn doch mal welche zu ergattern sind, ist die Mengenabgabe pro Kunde streng beschränkt. Auf Auktionsplattformen finden Tüten für umgerechnet 11 Euro oder mehr neue Besitzer. Wie konnte es dazu kommen?

500.000 Tonnen fehlen

Im April kündigten die größten Snack-Hersteller des Landes an, die Produktion vieler beliebter Produkte auf unbestimmte Zeit zu pausieren. Schuld daran ist der erhebliche Mangel an der wichtigsten Zutat, denn rund 80 % aller japanischen Kartoffeln stammen von der Insel Hokkaido, der nördlichsten Präfektur – und die wurde im letzten Herbst von so starken Unwettern heimgesucht, dass die Kartoffelernte immens einbrach.

Gleich vier Taifune fegten über die Region hinweg und beschädigten Äcker, Pflanzen und sogar Anbau- und Erntegeräte – so viele hintereinander gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Die Folge: Es sind nun schlichtweg viel zu wenige Kartoffeln für die Chips-Produktion da, rund eine halbe Millionen Tonnen fehlen. Dazu muss man sagen, dass Chips in Japan sehr begehrt sind. In einer Umfrage zu den beliebtesten Snacks und Süßigkeiten belegten etwa zwei Sorten des Herstellers Cadbee die ersten Plätze. Ebendieser hat nun allerdings schon 30 Chips-Produkte aus dem Sortiment genommen und weiß nach eigener Aussage nicht, wann die Produktion überhaupt wieder anläuft.

USA-Kartoffeln? Nein danke

Angesichts der großen Kartoffelkrise greifen die Japaner jetzt zwar auf Importware aus den USA zurück, doch auch die kann die verheerenden Ausfälle nicht decken. Zudem bevorzugt die Bevölkerung eigene Erzeugnisse und ist vom anderen Geschmack der Knollen nicht überzeugt. Auch die strengen Vorschriften hinsichtlich der Einfuhr von Kartoffeln aus dem Ausland erschweren die Lage.

Nun bleibt abzuwarten, ob sich die prekäre Situation auf Chips beschränkt oder sich sogar noch auf andere Bereiche ausweitet – schließlich brauchen auch Lebensmittelhersteller, Fast-Food-Ketten und Restaurants Nachschub, um ihre Produkte weiterhin anbieten zu können …

Wie ist das bei Euch? Könntet Ihr problemlos auf Chips verzichten, oder sind sie fester Bestandteil Eures Snack-Haushalts?

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