Und in China fällt ein Sack Kartoffeln um ...

Bowl mit gekochten Kartoffeln und Stäbchen
16. März 2017

Warum das Land der Mitte dem Reis untreu werden soll

Was ist das Hauptnahrungsmittel in China? Klar – Reis, dürfte da jeder wie aus der Pistole geschossen antworten. Doch der macht dem Land zunehmend Probleme: Der Anbau verbraucht viel Wasser, die Böden sind teilweise stark von Pestiziden belastet – und aufgrund der rasant wachsenden Städte gibt es immer weniger Ackerfläche. Die genügsame Kartoffel kann die Lösung für dieses Problem sein.

Viele wissen es gar nicht, aber China ist der größte Kartoffelproduzent der Welt. Rund 80 Millionen Tonnen auf 5,3 Millionen Hektar sind es zur Zeit. Trotzdem ist der Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich relativ gering: Zu sehr ist nach wie vor der Reis als traditionelles Grundnahrungsmittel im kollektiven Ernährungsbewusstsein verankert. Die Kartoffel – oder „tudou“, was sich wörtlich mit „Erdbohne“ übersetzen lässt – wird meistens nicht als Beilage, sondern als Gemüse zubereitet.

Doch das will die chinesische Regierung jetzt ändern: In den nächsten zehn Jahren soll die gesamte Anbaufläche auf 10 Millionen Hektar verdoppelt werden. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Das Land der Mitte verfügt über immer weniger Agrarfläche, besonders im Norden des Landes sind viele Böden bereits unfruchtbar. Aufgrund des Klimawandels breitet sich die Steppe immer weiter aus, und auch die Belastung mit Pestiziden wird zunehmend zum Problem. Die Winter sind lang und kalt, die Sommer trocken. Reis wächst bei solchen Bedingungen überhaupt nicht, Weizen und Gerste nur noch schlecht. Die Kartoffel hingegen kommt mit solchen rauen Umständen klar. Aber damit nicht genug: Der Wasserverbrauch ist um ein Drittel niedriger als beim Reisanbau, die Erträge pro Hektar fast dreimal so hoch. Und dank ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und anderen wertvollen Inhaltsstoffen steht die Knolle dem Reis in Sachen Nährwert um nichts nach – viele schlagkräftige Argumente also, die für eine dauerhafte Etablierung der Kartoffel als Grundnahrungsmittel sprechen!

Allein: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das ist in China nicht anders als hier bei uns. Und deshalb setzt die Regierung nicht nur auf Gelder für die Verbesserung von Pflanzgut, sondern auch auf eine groß angelegte Image-Offensive: Die Kartoffel ist ein Star auf Plakaten, wird in Kochshows im Fernsehen gefeiert und auf Websites in tausendundeiner Zubereitungsart, natürlich mit Rezepten, präsentiert. 

Diesen Einsatz können wir natürlich nur unterstützen. Deshalb schicken auch wir viele Grüße an die Chinesen und sagen: Gebt der Kartoffel eine Chance – Ihr werdet es nicht bereuen! 

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