Echte Raritäten I – außergewöhnliche Kartoffelsorten

Echte Raritäten
26. Januar 2017

Heute gibt es eine kleine, bunte Geschichtsstunde! Wie die Kartoffelsorten der Zukunft entstehen, haben wir neulich schon erforscht. Diesmal widmen wir uns den Altehrwürdigen, den betagten Eminenzen mit Seltenheitswert, den Sorten, die schon laaange vor uns da waren.

Im großen Stil angebaut werden die meisten dieser Raritäten in Deutschland nicht mehr. In der Regel ist das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag dafür zu unausgeglichen, und sie sind anfälliger für Kartoffelkrankheiten oder Krautfäule. Ihre Form mit oft tiefliegenden Augen ist zudem nicht für die industrielle Verarbeitung geeignet. Unter Biobauern, Vereinen und Hobbygärtnern haben sie dennoch viele Fans. Im Supermarkt werdet ihr sie daher wahrscheinlich nicht finden, sondern eher als Liebhaberware auf dem Wochenmarkt.

Interessant sind die Sorten aber allemal, vor allem ihre Farben! Und deshalb stellen wir Euch heute ein paar davon vor.

Arran Victory

Arran Victory Kopie

Herkunft: Schottland, 1912
Kochtyp: mehlig
Fleisch: weißfleischig
Schale: hellviolett
Größe: 20-55 mm
Reifegruppe:  sehr spät

In den 1930 eine gängige Speisesorte in Schottland. Sie wurde auf der Insel Arran von Donald Mackelvie gezüchtet. Arran Victory hat eine helle, violette Schale und schmeckt leicht nach Maronen. Ihren Namen erhielt sie gegen Ende des Ersten Weltkriegs 1918.

Bamberger Hörnla

Bamberger Hornla

Herkunft: Bamberg, Franken (g.g.A = geschützte geografische Angabe), 1870
Kochtyp: festkochend
Fleisch: gelb
Schale: gelb, sehr fein
Größe: 50-150 mm lang
Reifegruppe: mittelfrüh

Bamberger Hörnla bzw. Hörnchen wurden 2013 von der EU als regionale Marke bestätigt. Seitdem dürfen diese Kartoffeln nur angeboten werden, wenn sie in Franken angebaut wurden. Sie sind seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt, haben eine längliche, krumme Form und einen intensiven, nussigen Eigengeschmack. Ihre Ernte ist sehr aufwendig, da der Einsatz von Maschinen wegen ihrer Form nicht möglich ist. Das Bamberger Hörnla war die Kartoffel des Jahres 2008.

Bonnotte de Noirmoutier

Bonnotte de Noirmoutier Kopie

Herkunft: Französische Atlantikinsel Noirmoutier, um 1900
Kochtyp: vorwiegend festkochend bis leicht mehlig
Fleisch: gelb
Schale: gelb
Größe: 20-35 mm
Reifegruppe: früh

Der unscheinbaren, aber extrem seltenen Bonnotte haben wir schon einen kompletten Blogbeitrag gewidmet, schließlich gilt sie als teuerste Kartoffel der Welt. Sie stammt von der französischen Atlanktikinsel Noirmoutier, wo sie jedes Jahr mühsam per Hand geerntet wird. Die Felder werden mit Seetang gedüngt und mit Meerwasser bewässert, was für den einzigartigen, süßen Geschmack der Knollen sorgt. Verkauft wird die Delikatesse nur an 14 Tagen im Mai, und dann kann es tatsächlich passieren, dass für ein Kilo schlappe 500 Euro bezahlt werden!

Königspurpur

Konigspurpur

Herkunft: Deutschland, um 1860
Kochtyp: vorw. festkochend
Fleisch: rotfleischig mit leicht gelben Kern
Schale: rot
Größe: 20-55 mm
Reifegruppe:  mittelfrüh

Eine der ältesten deutschen Landsorten. Knollen der Sorte Königspurpur sind – wie der Name schon sagt – rot, sowohl ihre Schale als auch das Innere. Ihr Geschmack ist nussig-kräftig. Nachdem sie lange Zeit vergessen war, erlebt sie seit ein paar Jahren ihr Revival. Wie andere bunte Sorten sollte auch Königspurpur mit Schale gekocht werden, damit möglichst viel von den Farbstoffen erhalten bleiben.

Mehliger Mühlenviertler

Mehlige Muhlenviertler

Herkunft: Österreich, um 1900
Kochtyp:  mehlig
Fleisch: gelbfleischig
Schale: hell gelb
Größe: 20-55 mm
Reifegruppe: spät

Die Sorte ist nach ihrer Ursprungsregion benannt, dem Mühlviertel in Österreich. Wie der Name verrät, gehört sie zu den mehligkochenden Kartoffeln und eignet sich damit für Gerichte wie Püree, Suppen oder Klöße.

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