Friedrich der Große und die ersten Kartoffeln Deutschlands

Friedrich der Große und Kartoffeln
14. Januar 2016

Dass es in Deutschland irgendwann einmal keine Kartoffeln gegeben haben soll, ist für uns heute völlig unvorstellbar. Nicht ohne Grund werden die Bürger der Bundesrepublik von Angehörigen anderer Nationen mehr oder weniger liebevoll als Kartoffel bezeichnet. Aber so begeistert wie heute waren die Menschen hierzulande nicht immer. Der Preußenkönig Friedrich II. könnte Euch ein Lied davon singen! Allerdings hat er bereits vor 304 Jahren das Zeitliche gesegnet. Aber dafür sind wir ja hier und erklären Euch, welche Rolle der Alte Fritz bei der Verbreitung der Kartoffel in Deutschland gespielt hat.

Vom Teufelskraut zum Grundnahrungsmittel

Zwar war das Nachtschattengewächs schon Ende des 16. Jahrhunderts bekannt, allerdings in erster Linie als Heil- und Zierpflanze. Die hübschen Blüten waren in botanischen Gärten und fürstlichen Höfen gefragt. Dass man die zugehörigen Knollen aus der Erde auch futtern kann, wussten lange Zeit nur vereinzelte Personen. Zum Beispiel der Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, der 1591 schrieb: „Dieselbigen, wenn sie gekocht werden, seindt gar anmuthig zu eßen“. Oder auf Neudeutsch: Kartoffeln sind lecker!

Trotz solcher Fürsprecher hatten die Menschen lange Zeit nicht so richtig Lust drauf. Das könnte auch daran gelegen haben, dass sie anstatt der Knollen die oberirdischen Teile aßen – und die sind bekanntlich ungenießbar. Übelkeit und Bauchschmerzen trugen dazu bei, dass das Gewächs mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde. Zudem passte es einfach nicht so wirklich in die damals übliche Dreifelderwirtschaft. Friedrich der Große wusste zwar schon lange um die tollen Eigenschaften der Kartoffel, aber trotz seiner eifrigen Verteilung von Pflanzgut blieb die allgemeine Begeisterung aus.

 

Kiste Bio Kartoffeln

 

Ein verlässlicher Faktor, der Allgemeinheit neue Lebensmittel schmackhaft zu machen, war allerdings der Hunger. Zu Friedrichs Zeiten, also Mitte des 18. Jahrhunderts, drohte er in Preußen nach diversen Weizenmissernten. Um seine Untertanen endgültig von der sättigenden Wirkung der Kartoffel zu überzeugen, setzte er ihren Anbau schließlich mit Vehemenz durch: mit diversen Edikten, die als Kartoffelbefehle in die Geschichte eingingen, und der unmissverständlichen Ansage: „Die Wurzeln sollt ihr fressen, nicht die Früchte!“ Angeblich ließ er listigerweise auch seine eigenen Felder von Soldaten bewachen, um den Bauern zu suggerieren: Was so wertvoll für den König ist, ist es vielleicht doch wert, mal ausprobiert zu werden.

Dass sein Einsatz für die Kartoffel im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trug, erlebte Friedrich der Große leider selbst nicht mehr – es dauerte noch ein paar Jahre, bis sich der Anbau durchgesetzt anhatte. Dann trat die Knolle aber auch in Deutschland ihren großen Siegeszug an und wurde zu einem Grundnahrungsmittel, das unsere Kultur nachhaltig prägte. Aus diesem Grund legen viele Besucher übrigens noch heute Kartoffeln auf dem Grab des Monarchen in Potsdam ab.

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