Resteküche mit Kartoffeln: Eine Welt voller Fantasie

Resteküche mit Kartoffeln Lebensmittelverschwendung vorbeugen
09. Januar 2020

Meal Prep, Zero Waste, Lebensmittelverschwendung vorbeugen – Schlagworte für einen nachhaltigen Lebenswandel. Über das ganze Jahr hinweg und insbesondere nach den Feiertagen sammeln sich viele Lebensmittel in Speisekammer, Küchenschränken und Kühlschrank. Wir retten sie vor dem Müll und verraten euch fantastische Möglichkeiten Salz-, Pell- und Ofenkartoffeln von gestern in ein festliches Essen zu verwandeln!

Lebensmittelverschwendung – Zahlen und Fakten

Fast jeder von uns hat es schon einmal gemacht – leider: Lebensmittel weggeworfen, die eigentlich noch genießbar waren. Laut einer Studie von WWF Deutschland wäre die Entsorgung der Hälfte der jährlich 7 Millionen Tonnen von Privathaushalten entsorgten Lebensmittel vermeidbar. Will heißen: Sie waren noch gut als sie in die Mülltonne wanderten! Wir finden: Das muss nicht sein. Und: Wir können das besser. Zudem stellen diese 7 Millionen Tonnen Lebensmittel aus Privathaushalten den größten Anteil aller entsorgten Lebensmittel dar. Bedeutet: Wir bewegen viel, wenn wir unser Verhalten ändern!

Welche Lebensmittel werfen wir am häufigsten weg?

Laut Auswertung der Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Jahr 2018 werden mit einem Anteil von 34 Prozent frisches Obst und Gemüse am häufigsten entsorgt, gefolgt von 16 Prozent gekochtem und selbst zubereitetem Essen und 14 Prozent Brot- und Backwaren. Auf Platz fünf (nach Getränken mit 11 Prozent) folgen Milchprodukte und „Sonstiges“ mit 9 Prozent. Dieses Wissen hilft, künftig weniger Lebensmittel zu verschwenden!

Resteküche: Eine Welt voller Fantasie

Was kochen aus einer Salzkartoffel? Wohin mit überreifen Bananen? Den drei Brokkoliröschen von gestern? Werden die trockenen Brötchen zweifelsohne zu Paniermehl oder kann ich damit etwas Aufregendes kochen? Die Eier müssen laut Karton schnell weg – und jetzt? Was nach einer Herausforderung klingt, ist eigentlich nur eine Übung in Kreativität: Macht Spaß und ist gut fürs Gehirn.

Hier zwei Ansätze:

Lebensmittel retten nach dem Königsprinzip

Beim Königsprinzip scharen sich Zutaten um Reste wie das Volk um den Hof. Die Salzkartoffeln von gestern sind der Ausgangspunkt einer aufregenden Reise durch den Kühlschrank. Kombiniert mit Fett, Salz oder Kräutern und Eiern werden sie zur Spanischen Tortilla. Oder mit Sojasoße, gehacktem Koriander und gehackten Erdnüssen zu einer asiatischen Gemüsepfanne. Zusammen mit Brokkoli, Blumenkohl und Gemüsefond, Ingwer, einer Bratwurst oder einem Schuss Kokosmilch verwandelt ihr sie in eine gesunde Suppe oder einen exotischen Eintopf. Oder ihr legt sie auf die Auflaufform oder ein Backblech und bestreut sie mit Käseresten, Bolognesesoße, Spinat und der letzten Salamischeibe. Voilà leckeres Gratin, offene Lasagne oder zu Kartoffel-Pizza. Klingt lecker, nicht wahr?

Freudestrahlend Resteessen: Küche ausmisten mit dem Geist von Marie Kondo

Inspiriert von der japanischen Ordnungsikone Marie Kondo empfehlen wir das regelmäßige Ausmisten von Küche und Kühlschrank!

Breitet dazu alle Lebensmittel aus eurem Kühlschrank und den Küchenschränken auf der Arbeitsplatte, einem Tisch oder sogar auf dem (sauberen) Fußboden vor euch aus. Zu überwältigend? Beschränkt euch auf das Gemüse- oder Fleischfach oder das Regal mit den Backzutaten und auf den Beginn einer neuen Jahreszeit.

Jetzt jede Zutat in die Hand nehmen, begutachten (riechen, tasten, schmecken) und in sinnvolle Kategorien – beispielsweise „sofort verwerten“, „einfrieren“, „bis Mittwoch gut“ , „süß“ und „herzhaft“ oder „zu verschenken“ – sortieren. Glaubt uns: Das wird ganz toll! Ihr werdet überrascht sein, welche Ideen Euch beim Sortieren kommen und wie sehr sich Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kommilitonen und Kollegen über die Kartoffel-Kürbis-Suppe von gestern, die zu exotische Currymischung oder den vor dem Urlaub zu üppig eingekauften Käse freuen.

Wer sich regelmäßig – egal ob mit Marie Kondo oder nach dem Königsprinzip – mit den Inhalten seiner Küche auseinandersetzt, weiß bald welche Lebensmittel, besonders häufig im Müll landen. Diese kauft ihr künftig seltener oder in kleineren Mengen. Probiert’s ruhig aus!

Und wenn ich’s gar nicht essen mag und auch sonst niemand?

Es gibt sie: Nachbarn und Freunde, die Pilze hassen, vegan leben oder kein Gluten vertragen. Und Zeiten, in denen man sich keine Mühe machen kann und möchte. Verschenkt Lebensmittel über Food Sharing Portale wie foodsharing.de und Apps wie toogoodtogo sowie regionale Essensbörsen (z. B. Lebensmittelretter-Gruppen bei Facebook)! Bringt sie zu einem öffentlich zugänglichen Kühlschrank oder einer Speisekammer. Fertig! Vorteil: Der Fair-Teiler hat nach Ladenschluss geöffnet und ihr könnt euch ebenfalls bedienen und die Lebensmittel anderer retten!

Aber ich hab’ doch keine Ideen oder keine Zeit mir Gedanken zu machen!

Kein Problem! Wir empfehlen euch das Schmökern in unserer Rezeptdatenbank voller Kartoffelrezepte und unsere Suche. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ein Portal, zugutfürdietonne.de, mit vielen Informationen eingerichtet. Es enthält Tipps und Tricks von Spitzenköchen wie Cornelia Poletto, Tim Mälzer und Sarah Wiener, Promis wie den Schauspieler Daniel Brühl und von Bloggern, beispielsweise der Küchenchaotin. Die Rezepte-für-Reste-Datenbank bietet eine zutatenbasierte Suche.

Resteverwertung mit Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, gekochten Kartoffeln vom Vortag

Und weil wir die Kartoffel sind, verraten wir euch unsere liebsten Möglichkeiten zur Verwertung Salz-, Ofen-, und Pellkartoffeln. Schnallt euch an, es geht los!

Aus Salz- und Pellkartoffeln wird mehr als nur Bratkartoffeln

Wir finden: Die gekochten Kartoffeln von gestern machen immer noch die knusprigsten Bratkartoffeln! Mit Ei gibt’s Frittata mit allem was der Kühlschrank noch so hergibt.

Restessen mit Kartoffeln Frittata 2020

Bild: Kartoffel-Frittata mit Garnelen

Aus Pellkartoffeln zaubert man Kartoffelsalat oder Kartoffelbrei – vielleicht bestehend aus einem Teil Kartoffeln und einem Teil gekochtem Gemüse, Rohkost oder Hülsenfrüchte?

Was machen mit wenigen übrigen Kartoffeln oder einem Rest Kartoffelbrei?

Wenn nicht mehr so viele Kartoffeln übrig sind, geben wir sie in Brot- oder Kuchenteig und ersetzen einen Teil des Mehls damit.

Resteverwertung Kartoffeln Brot 2020

Bild: Kartoffelbrot Deluxe mit Röstzwiebeln

Alternativ stampft die Kartoffeln und dickt Soßen und Suppen damit an oder kocht einen Pudding. Aus Kartoffelbreiresten werden zudem Kroketten, Pfannkuchen und Bratlinge.

Warum eine Ofenkartoffel wie eine Katze ist

Katzen und Ofenkartoffeln haben eines gemeinsam: Sie haben sieben Leben. Glaubt ihr nicht? Wer denkt, mit einer Ofenkartoffel kann man nicht mehr tun, als sie aufzuwärmen, der irrt. Aus Ofenkartoffeln werden Brot, Gnocchi, Schupfnudeln, cremige Kartoffelsuppen oder Quarkkäulchen.

Resteverwertung mit Kartoffeln Kartoffelsuppe 2020

Bild: Kartoffel-Spekulatiussuppe 

Zudem sind sie die beste Basis für Quetschkartoffeln: Ein Blech mit Backpapier auslegen, die Ofenkartoffeln darauf legen, mit der Faust oder der Rückseite eines Löffels platt drücken. Mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und weiteren Gewürzen oder Kräutern eurer Wahl bestreuen. Das Ganze bei 200° C in den Ofen geben und backen, bis die Kartoffeln knusprig sind. Wer mag, gibt Gemüse, zum Beispiel Karotten, Lauch oder Zwiebeln dazu und lässt diese ebenfalls leicht anrösten. So fancy, dass es selbst die Royals begeistern würde, versprochen!

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